Was ist SAP CCM und was sind die 5 wichtigsten Vorteile dieser Lösung?
SAP CCM steht für Condition Contract Management und ist der neue S/4-HANA-Standard für alle Arten von Abrechnungsprozessen, wie z.B. die Kundenbonusabwicklung, Provisionsvereinbarungen, Lizenzgebühren, Frachtkostenabrechnung u.v.m. Im Deutschen wird für SAP CCM auch der Begriff „Abrechnungsmanagement“ verwendet, was ins Englische wiederum mit „Settlement Management“ übersetzt wird.
Da mit der S/4-HANA-Einführung die Nutzung des Abrechnungsmanagements für alle SAP-Kunden obligatorisch geworden ist, die in der alten ECC-Welt noch die klassischen SD-Bonus-Vereinbarungen verwendet haben, sind in den letzten fünf bis acht Jahren vor allem in diesem Kundenbonus-Umfeld schnell die ersten S/4-HANA-Projekte auf den Weg gebracht worden.


Darüber hinaus lässt sich die innovative CCM-Lösung aber auch für viele weitere Abrechnungs- und Verrechnungsvorgänge ideal einsetzen die vielleicht nicht sofort auf der Hand liegen. Hierzu zählen Prozesse wie die Lieferantenbonusabwicklung, Factoring, Ship-and-Debit oder auch unternehmensübergreifende Verrechnungen wie z.B. die Abrechnung von Kommissionsgebühren.
Aus unserer Sicht bietet SAP CCM vor allem die folgenden 5 Vorteile:
- Eine zentrale Applikation für alle Abrechnungsvorgänge in S/4 HANA.
- Klare und einfache Abgrenzung der Bemessungsgrundlage (Umsatzbasis).
- Vereinbarungen können problemlos skaliert und auch nachträglich angelegt werden.
- Schnellste Analysen und Simulationen sind jederzeit auf Basis von Live-Daten möglich.
- Konsistente und lückenlose Berechnung der fälligen Rückstellungen
1. Eine zentrale Applikation für alle Abrechnungsvorgänge im S/4
Alle relevanten Vergütungsabsprachen mit Kunden, Lieferanten oder konzerninternen Geschäftspartnern (Intercompany), können im S/4 HANA zentral mit den Konditionskontrakten verwaltet werden. Dabei steht vor allem die Benutzer-Freundlichkeit für die End-User im Vordergrund.
Mit der einheitlich gestalteten Anwendungs-Oberfläche wird dem Anwender eine schnelle und transparente Ansicht der Kontrakte ermöglicht. Ebenso fällt die leichte Bedienung für die Durchführung anfallender Arbeitsschritte, wie z.B. die Abrechnungs- oder Rückstellungsläufe, schnell positiv ins Auge.

Zudem bietet das SAP CCM auch eine smarte Gesamt-Architektur, mit der eine nahtlose Integration zwischen den neuen Abrechnungskomponenten (wie Kontrakte, Abrechnungsprogramme etc.) und den anderen SAP-Kernmodulen (insb. SD, MM und FI/CO) entwickelt wurde.
Im Ergebnis hat es die SAP mit CCM geschafft, einerseits völlig neue Funktionen und Werkzeuge wie z.B. die flexible Festlegung des Umsatzvolumens oder die optionalen Delta-Rückstellungsläufe mit den andererseits bekannten Komponenten – wie die klassische Preis-Konditionstechnik und Kontenfindung – zu verknüpfen.
2. Klare und einfache Abgrenzung der Bemessungsgrundlage
Die wohl wichtigste Innovation im SAP CCM im Vergleich zur alten ECC-Bonusabwicklung ist das Arbeiten mit der sogenannten Umsatzbasis. Diese Umsatzbasis kann in jedem Konditionskontrakt mit Hilfe von Umsatzselektionskriterien sehr intuitiv und flexibel festgelegt werden. Im Customizing lassen sich die möglichen Umsatzselektionskriterien für die unterschiedlichen Kontraktarten weitestgehend beliebig einstellen. Als Daten-Grundlage für die Umsatzbasis sind sowohl Standardtabellen, CDS-Views als auch kundeneigene Z-Tabellen möglich.
Die Handhabung der Umsatzbasis ist vor allem deswegen sehr benutzerfreundlich und elegant konzipiert, weil jedes einzelne Umsatzselektionskriterium per Inklusiv- oder Exklusiv-Logik hinterlegt werden kann. Damit lassen sich auch „komplexe Teilmengen“ eines relevanten Abrechnungs-Volumens schnell und zielgenau abgrenzen.
3. Vereinbarungen können problemlos skaliert und auch nachträglich angelegt werden.
Sie können alle Vergütungsvereinbarungen, die für mehrere Kunden oder Lieferanten gleichermaßen gelten sollen, ganz einfach mit einem einzigen Multi-Konditionskontrakt abbilden. Dies spart jede Menge Zeit und Ressourcen. Über die sogenannten Split-Kriterien wird bei den Abrechnungsläufen dann dafür gesorgt, dass jeder Kunde oder Lieferant eine separate Abrechnung mit seiner individuellen Umsatzbasis bekommt. Mit entsprechender Konfiguration, ist es in solchen Multi-Kontrakten auch relativ einfach möglich, eine gemeinsame Staffelbasis zu definieren, so dass für Kunden-Hierarchien oder Einkaufsgemeinschaften automatisch die passende Staffelstufe über das gesamte Umsatzvolumen hinweg ermittelt werden kann.
Weiterhin ist es mit dem vereinfachten Datenmodell in S/4 HANA zukünftig kein Problem mehr, Konditionskontrakte nachträglich anzulegen, also mit einer Gültigkeit in der Vergangenheit. Im alten ECC-System war dies immer sehr problematisch, weil in solchen Fällen erst mühsam mit der Transaktion VBOF eine Index-Tabelle (VBOX) aktualisiert werden musste, damit auch die für eine neue Absprache relevanten Fakturen entsprechend berücksichtigt wurden. Weil aber nun im S/4-HANA die relevanten Umsatzdaten direkt und dynamisch aus den Belegtabellen (CDS-View auf VBRK, VBRP etc.) gelesen werden, wird diese Index-Tabelle nicht mehr benötigt und somit gehört die redundante Datenhaltung an dieser Stelle auch der Vergangenheit an.
4. Schnellste Analysen und Simulationen sind jederzeit auf Basis von Live-Daten möglich
Mit der verbesserten S/4-HANA-Architektur in CCM, können auf Basis von Live-Daten aus den transaktionalen Belegen (z.B. VBRK, VBRP etc.) jederzeit schnelle und einfachste Auswertungen
zum aktuellen Stand des abrechnungs-relevanten Umsatzvolumens (Transaktion WB2R_BUSVOL) je Kontrakt gemacht werden. Mit dieser dynamischen und transparenten Umsatz-Analyse in Echt-Zeit, lässt sich zudem auch effektiv überprüfen, ob die gewählten Umsatz-Selektionskriterien in den Kontrakten richtig und vollständig eingestellt sind. Es kann also jeder End-User für seine Kontrakte vor den fälligen Abrechnungsläufen die nötigen Plausibilitätsprüfungen vornehmen, um Fehler in den Stammdaten frühzeitig zu erkennen.
Ebenso sind auf Basis von Live-Daten schnelle Simulationsläufe zu den fälligen Abrechnungen möglich.
5. Konsistente und lückenlose Berechnung der fälligen Rückstellungen
In der neuen CCM-Lösung im S/4 HANA gibt es mehrere Methoden zur Rückstellungsbildung, die sich je nach Zeitpunkt, Automatisierungsgrad und Verwendungszweck unterscheiden.
- Wie in der alten ECC-Lösung können bereits im Rahmen der SD-Fakturierung die notwendigen Rückstellungen tagesgenau für die relevanten Bonuskontrakte gebildet werden. Im Rahmen der Kontraktabrechnung werden diese Rückstellungen dann automatisch aufgelöst.
- Als Alternative können automatische, periodische Delta-Rückstellungsläufe (z.B. monatlich oder quartalsweise etc.) auf Basis des Abrechnungskalenders per Batchjob eingestellt werden. Das Rückstellungsprogramm ermittelt hierbei stets den aktuellen Rückstellungsbedarf bis zum Ende der entsprechenden Abrechnungsperiode und berücksichtigt die zuvor bereits gebuchten Auszahlungen und Rückstellungen. Der errechnete Fehlbetrag oder Überschuss an Rückstellungen wird dabei automatisch ausgeglichen.
- Außerdem können die User jederzeit auch eine Rückstellungbildung manuell anstoßen, z.B. wenn Rückstellungen nur ausnahmsweise oder nachträglich erstellt werden sollen. Und auch für nicht mehr benötigen Rückstellungen (z.B. für obsolete Kontrakte) stehen passende Werkzeuge für die außerplanmäßige Rückstellungsauflösung (WB2R_RAC) zur Verfügung.
Fazit:
SAP CCM ist der moderne S/4-HANA-Standard für alle Abrechnungs- und Vergütungsprozesse und bietet Unternehmen eine zentrale und integrierte Lösung für komplexe Vertrags- und Abrechnungsmodelle. Die Lösung überzeugt durch eine klare Definition der Umsatzbasis, hohe Skalierbarkeit von Vereinbarungen, Echtzeit-Analysen auf Live-Daten sowie eine zuverlässige und flexible Rückstellungsbildung. Insgesamt ermöglicht SAP CCM effizientere Vergütungsprozesse, mehr Transparenz und deutlich weniger manuellen Aufwand als in der alten ECC-Welt.


