Was sind 3 häufige Fehler bei der Einführung von SAP CCM in S/4 HANA?

Die Einführung des Abrechnungsmanagements in S/4 HANA wird von vielen SAP-Kunden am Anfang leider oft nur als rein technisches „Migrations-Thema“ angesehen. Aus unserer Beratersicht hat sich aber gezeigt: Die eigentlichen Herausforderungen liegen meist weniger im Customizing der Lösung, sondern vielmehr im fehlenden Verständnis der Möglichkeiten von CCM, der steuerlich richtigen Einordnung der Abrechnungsvorgänge und der richtigen Vorbereitung durch saubere Stamm- und Bewegungdaten. Genau hier entstehen in Projekten immer wieder typische Fehler, die sich zumeist sehr spät – oft erst lange nach dem Go-Live – bemerkbar machen.

Mit diesem Blogbeitrag wollen wir daher über typische Fehlerquellen bei der Implementierung von SAP CCM berichten, die wir in diversen Projekten erlebt haben. Ziel ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wo größere Risiken liegen, welche Denkfehler besonders gerne gemacht werden und wie sich diese Fehler mit der richtigen Herangehensweise vermeiden lassen.

Die folgenden drei Fehler werden nach unserer Erfahrung besonders häufig gemacht:

  1. Fehlendes oder unzureichendes Steuerkonzept
  2. Mangelhafte Qualität der Stamm- und Bewegungsdaten
  3. Unnötige Eigenentwicklungen

Dazu im Einzelnen:

1. Fehlendes oder unzureichendes Steuerkonzept

Ein relativ kritischer Stolperstein bei der Einführung von SAP CCM (Settlement Management) in S/4HANA ist ein fehlendes oder nicht durchdachtes „Steuerkonzept“. In vielen Unternehmen wird der Logik der Steuerfindung entweder zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt oder sie wird erst dann hinterfragt, wenn die ersten Abrechnungsprozesse bereits produktiv und Korrekturen nur noch mit größerem Aufwand möglich sind.

In der Praxis zeigt sich dieses Problem oft bei vorschnell eingerichteten Abrechnungsszenarien, wie etwa bei Werbekostenzuschüssen. Nicht selten wird hierfür mal eben rasch ein Bonuskontrakt mit Ausgangssteuer eingerichtet. Und erst später stellt man dann fest, dass aufgrund der vertraglichen Vereinbarung und der Art der Leistung dieser konkrete Geschäftsvorfall aus steuerlicher Sicht gar keinen Bonus darstellt, sondern vielmehr als Provision zu behandeln ist. Die Folge: statt einer Ausgangssteuer hätte eine Vorsteuer gebucht werden müssen. Solche Fehleinschätzungen führen nicht nur zu buchhalterischem Korrektur-Aufwand, sondern bergen dann später insbesondere auch Risiken bei der Steuer- bzw. Wirtschaftsprüfung.

Ein weiterer typischer Fehler besteht darin, dass bei Bonusabrechnungen, die eine „Rückvergütung“ an den Kunden darstellen, oft eine neue Steuerfindung durch das System ausgelöst wird, obwohl dies aus steuerlicher Sicht gar nicht passieren sollte. Dieses Problem ensteht daher, weil einfach eine bestehende Standard-Konditionskontraktart als Vorlage kopiert wird, ohne dass den Verantwortlichen klar ist, wie sich die unterschiedlichen Kontraktarten in Bezug auf die Steuerfindung verhalten. So gibt es beispielsweise warenbezogene Kontraktarten, die automatisch die ursprünglichen Steuerkennzeichen aus den Ursprungsfakturen übernehmen. Wenn diese Logik nicht verstanden oder bewusst berücksichtigt wird, kann es schnell zu inkonsistenten und falschen Steuerbuchungen kommen.

Wir emfehlen daher immer die frühzeitige Einbindung der Kollegen aus der Steuerfachabteilung oder eines Steuerberaters, denn eine konsistente Steuerfindung ist zentrale Voraussetzung für eine revisionssichere Abwicklung im SAP CCM.

2. Mangelnde Qualität der Stamm- und Bewegungsdaten.

Ein weiterer häufiger Fehler bei der Umstellung auf SAP CCM ist die unzureichende Qualität der Stamm- und Bewegungsdaten, auf denen die Abrechnungsprozesse aufsetzen. Dies betrifft in besonderem Maße die Materialstammdaten und in der Folge dann eben auch transaktionale Daten wie SD-Rechnungen, Lieferungen oder Bestellungen. Nicht selten bleiben bei der Anlage von Materialstämmen wichtige Parameter unberücksichtigt oder werden nicht durchgängig – etwa als Pflichtfelder – gepflegt, obwohl sie später für die Abgrenzung und Selektion relevanter Umsätze benötigt werden. Dazu zählen beispielsweise Bonus- und Provisionsgruppen oder firmen-eigene Warengruppierungen (z. B. Sortimente), die in den Umsatzselektionskriterien verwendet werden können. Fehlen diese Informationen oder sind inkonsistent gepflegt, können bestimmte Umsätzeanteile im Abrechnungslauf entweder nicht ausgeschlossen oder nicht korrekt berücksichtigt bzw. voneinander abgegrenzt werden.

SAP Materialstamm Vertriebssicht
Gruppe der Betragsfelder in SAP CCM

Und genauso wichtig ist in diesem Zusammenhang die Konzeption der Preisfindung. Denn bei der Einrichtung der Preisschemata in SD/MM liegt der Fokus häufig in erster Linie auf der fakturarelevanten Preisermittlung, ohne die nachgelagerten Abrechnungsprozesse von Beginn an mitzudenken. Gerade wenn für unterschiedliche Geschäftsfelder verschiedene Abrechnungsbasen relevant sein sollen, ist das Preisschema von Anfang an so zu gestalten, dass alle abrechnungsrelevanten Werte gezielt in zuvor vereinbarten Zwischensummen (KZWI1-6) der Fakturatabellen fortgeschrieben werden. Wenn dies nicht passiert, lassen sich die erstellen Bewegungsdaten diesbezüglich später nicht mehr ändern und hohe Aufwände für manuelle Nachberechnungen und eine eingeschränkte Automatisierung sind die Folge.

3. Unnötige Eigententwicklungen

Last but not least wollen wir noch auf viele überflüssige Eigenentwicklungen eingehen, die wir vorgefunden haben. Oft entstehen diese schlichtweg aus der Annahme, dass für komplexere Anforderungen an die Abrechnungslogik der SAP-Standard scheinbar nicht ausreicht oder aus Gewohnheit, um bestehende Prozesse „wie früher“ abzubilden. Dabei bietet die CCM-Lösung in S/4 HANA bereits leistungsfähige Alternativen, die viele klassische Kunden-Entwicklungen überflüssig machen.

Ein zentrales Werkzeug dafür sind natürlich die CDS-Views (Core Data Services), mit denen auch das Datenmodell für alle Vergütungsprozesse auf elegante Weise mit wichtigen Feldern angereichert werden kann, anstatt kundeneigene „User-Exits“ oder BADIs dafür zu programmieren. Auf diesem Wege wird nicht nur der Entwicklungs- und Wartungsaufwand reduziert, sondern auch für eine bessere Upgrade- und Release-Sicherheit gesorgt.

Die gleichen Vorteile liefert der oft unterschätzte Transfer Manager, ein standardisiertes Konfigurations-Tool im Abrechnungsmanagement. Mit Hilfe von sogenanten Tranfer-Events und Transfer-Regel können darin beliebige Daten je Abrechnungsbelegart sehr flexibel aus unterschiedlichsten Tabellen und Strukturen gelesen, verändert und an nachfolgende Module (insb. FI/CO) übergeben werden, ohne dass dafür ein ABAP-Code erforderlich ist. Insbesondere im Hinblick auf die regelmäßigen S/4-HANA-Releases und -Innovationen – empfehlen wir daher unseren Kunden diese Komponente konsequent für einen Clean-Core-Ansatz im CCM zu nutzen. Nicht als technisches Detail, sondern als strategische Entscheidung, die einen nachhaltigen Mehrwert bietet.

Fazit:

Aus unserer Sicht erfordert die Implementierung von SAP CCM in S/4HANA ein Mindestmaß an Erfahrung mit dieser neuen Lösung, eine saubere Vorbereitung und einen strategischen Weitblick. Ohne ein belastbares Steuerkonzept, konsistente Stamm- und Bewegungsdaten sowie ein gutes Verständnis der Standard-Funktionalitäten entstehen Risiken, die sich oft erst nach dem Go-Live zeigen. Gleichzeitig bietet der CCM-Standard leistungsfähige Werkzeuge, mit denen sich viele kunden-eigene Entwicklungen vermeiden lassen. Wer diese Möglichkeiten gezielt nutzt und frühzeitig die richtigen Weichen stellt, schafft eine zukunftsfähige und prüfungssichere Abrechnungsumgebung.

Autor

Christoph van der Schoot

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